Höhn sieht Chancen für Arbeitsplätze durch Umwelttechnik

Frühstücksgespräch: Lions Club Hennef lädt die NRW-Umweltministerin ein. Diskussion über Fluglärm

HENNEF. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Tonne Öl arbeitslos wird und nicht die Menschen." Bärbel Höhn, Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen plädierte gestern in der Meys Fabrik für die sinnvolle Verbindung von Arbeit und Umwelt zur Sicherung des Standortes deutschland. Dabei soll der Verbrauch von fossilen Brennstoffen minimiert werden. Höhn war auf Einladung des Lions Clubs Hennef Gastrednerin bei den 6. Hennefer Frühstücksgesprächen. Die Ministerin steht in einer Reihe namhafter Politiker, die sich den Hennefern zur Diskussion stellten.

Höhn plädierte für eine ökologische Innovationspolitik in Nordrhein-Westfalen. "In Zusammenhang mit der EU-Erweiterung haben viele Menschen Angst um ihre Arbeitsplätze", sagte Höhn. Vor dem Hintergrund, dass Unternehmen angekündigt haben, in die Billiglohnländer im Osten abzuwandern, könne sie diese Angst verstehen. "Der Punkt, wo wir etwas tun müssen, sind die enormen Kosten unserer Arbeitsplätze", sagte Höhn. Dafür seien Steuerumverteilungen notwendig. Die Umweltministerin sieht die größten Wachstumschancen für Deutschland in den Bereichen Energie und Umwelt sowie Umwelttechnologien. "China sagt, es braucht mehr Energie für mehr Wohlstand. Das ist ein regelrechter Hunger nach Energie. Das bedeutet deshalb auch eine stärkere Belastung der Umwelt", sagte die Ministerin. Im Umkehrschluss liege darin Deutschlands Chance, sich mit Technologien im Umweltschutz Möglichkeiten zu erschließen. "Da liegen enorme Potenziale", meinte Höhn.

Das Stichwort laute "Ökoprofit" - die Verbindung von Ökologie und Profit. "Man kann die Umwelt schonen und trotzdem Gewinn machen. Mit grünen ideen schwarze Zahlen schreiben", sagte Höhn. Auf dem Gebiet der Windkraftanlagen sei Deutschland inzwischen führend. In der Branche würden inzwischen mehr Menschen arbeiten als in der Steinkohle, sagte Höhn. Die Eröffnung des Nationalparks Eifel habe zudem gezeigt, dass NRW auch touristisch viel zu bieten habe. "Wir haben wunderschöne Landschaften und Naturwunder in NRW, auf die müssen wir aufmerksam machen." Im sanften Tourismus liege auch eine Chance auf mehr Arbeitsplätze. Beim Thema Fluglärm wurde es dann lebendig in der Meys Fabrik: "Die Menschen in dieser Region haben ein Recht auf Nachtruhe", sagte Höhn. Doch könnten sich die Grünen in NRW bei dem Thema nicht gegen die anderen Parteien durchsetzen. "Wir müssen gemeinsam Verbündete finden", forderte die Ministerin die Zuschauer auf.

 

(GA, 03.05.2004)

Umwelttechnik als Jobmaschine

HENNEF. Den wieder auflebenden Trend ?Arbeit gegen Umwelt? findet sie ?verheerend?, Schlagwörter ihres Vortrags waren Ökosteuer, Emissionsquoten, effizienter Energie-Einsatz, Ökoprofit, Windkraft, Biomasse und Naturschutz. Die NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn sprach gestern auf Einladung des Lions Clubs in der Meys Fabrik über ökologische Innovationspolitik. Umwelttechnologien, wie etwa Windkraftanlagen und Holzpelletheizungen, hätten sich zu Jobmaschinen entwickelt und stellten weltweit Milliarden schwere Zukunftsmärkte dar, sagte die 51-Jährige, die sich gleichzeitig dafür aussprach, die Subventionen für den Kohlebergbau herunterzufahren. Wichtig sei es allerdings, bei der Kraftwerktechnik führend zu bleiben und Energieträger wie Kohle, Öl und Gas mindestens vier Mal so effizient zu nutzen. Geld verdienen und Arbeitsplätze schaffen ließen sich aber auch mit dem Naturschutz. Als Beispiel nannte Höhn den Nationalpark in der Eifel. Überhaupt habe Nordrhein-Westfalen ?fantastische Landschaften? für den sanften Tourismus zu bieten. So könne man etwa in der Sieg springende Lachse beobachten.

Nicht schuldig blieb die Ministerin die vom Lions-Präsident Josef Fuchs erbetene ?eindeutige Stellungnahme zum Fluglärm?. Ihre Partei sei die einzige Partei im Landtag, die sich geschlossen gegen den Nachtflug am Flughafen Köln / Bonn ausspreche, betonte die Grünen-Politikerin. Applaus bekam sie für die Aussage, ?dass die Menschen in dieser Region ein Recht auf Nachtruhe haben?. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es zum einen nötig, mit Verbündeten eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Zum anderen müsse mit der europaweiten Einführung einer Kerosinsteuer für mehr Gerechtigkeit im Verkehrswesen gesorgt werden. Es gehe nicht an, dass das Taxi zum Flughafen teurer sei als der Flug in weit entfernte Städte.

Zum Schluss hatte Bärbel Höhn noch die Anregung für den Lions Club, nämlich die, auch Frauen in seine Reihen aufzunehmen. Frauen seien zwar nicht besser als Männer, aber anders. Und wer auf das Andere verzichte, so Höhn, verzichte auf Qualität.

  

(KR, 03.05.2004) 

Mit der Steuerkeule gegen Billigflieger

Beim Thema Fluglärm zeigte die Gastreferentin Verständnis für die geplagten Menschen hier.

Hennef - Gern sei sie der Einladung zum ?6. Hennefer Frühstücksgespräch? gefolgt, sagte die Ministerin, insbesondere mit Blick auf vorangegangene Ehrengäste wie Wolfgang Clement, Arbeitgeberverbandspräsident Hundt, FDP-Chef Westerwelle oder Karl Heinz Däke vom Bund der Steuerzahler. Lions-Präsident Josef Fuchs hieß sie herzlich willkommen.

Durchaus handfest näherte sie sich dem Thema Fluglärm, dem Hauptanliegen vieler im Saale. Die Menschen in der Region hätten ein Recht auf ihre Nachtruhe, stellte sie fest. Außerdem gehe es nicht an, dass der Flugverkehr der einzig unbesteuerte sei. Deshalb müsse euopaweit eine Kerosinsteuer eingeführt werden, um gleiche Voraussetzungen für alle Verkehrsmittel zu schaffen. Helmut Schumacher, Vorsitzender der örtlichen Lärmschutzgemeinschaft, schilderte eindringlich die ständig wachsenden Belastungen für die Menschen in dieser Region. In der Nähe der Airports Frankfurt oder München lasse sich ruhiger leben als hier. Hier versprach Höhn nachzuhaken, verwies auf den hiesigen Parteikollegen Horst Becker, der sich gegen den Fluglärm engagiere. Wenig Hoffnungen hat Höhn, dass kurzfristig Verbesserungen einträten.

Souverän warb Höhn für grüne Politik: Ohne die viel geschmähte Ökosteuer wäre die Arbeitslosenquote in Deutschland noch viel höher, weil dann die Lohnnebenkosten noch höher seien. Die ?Jobmaschine Umwelt? habe bisher 130 000 Stellen bei den erneuerbaren Enegien geschaffen, was die 40 000 im Bergbau deutlich übersteige. Da will die Ministerin aus der Subvention aussteigen. Mit 588 Millionen Euro belaste der Bergbau den Landeshaushalt, Geld, das dann in anderen Bereichen fehle und dort ?real Arbeitsplätze kostet?.

Die Energienutzung müsse effizienter werden, ?deshalb brauchen wir gute Kraftwerke?. Im Projekt ?Öko-Profit? würden Firmen beraten, wie und wo sie Energie sparen können. Bei 260 bisher untersuchten Unternehmen habe sich eine jährliche Einsparquote von durchschnittlich 30 000 Euro ergeben. Weitere Potenziale eröffne die Energieerzeugung mit Holzhackschnitzeln.

 

(KStA, 03.05.2004)

4. Frühstücksgespräch des Lions-Club Hennef Rhein-Sieg am 2. Mai

Die Ministerin für "Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW", Frau Bärbel Höhn (B´90/DIE GRÜNEN) kommt am 02. Mai nach Hennef. Dem Lions-Club Hennef Rhein-Sieg ist es gelungen, nach Guido Westerwelle und Wolfgang Clement von einer weiteren bekannten politischen Persönlichkeit eine Zusage zu ihrem Frühstücksgespräch zu erhalten. Die Veranstaltung findet wegen des zu erwartenden größeren Publikumsinteresses in der Meys Fabrik statt und beginnt um 11.00 Uhr. Im Anschluss an ihren Vortrag kann mit der Ministerin diskutiert werden.

"Wir haben die Ministerin gebeten, auch zur Fluglärm-Problematik im Hennefer-Bereich Stellung zu nehmen", teilt Josef Fuchs, derzeitiger Präsident des Lions-Club mit. "In Zeiten des sich verbreitenden Interesses an Umwelt- und Verbraucherschutz-Fragen sind wir sicher, dass die Ministerin mit ihrem Vortrag großes Interesse finden wird", meint Josef Fuchs.

Der Lions-Club weist noch darauf hin, dass er sich als politisch unabhängige Vereinigung im Hinblick auf die kurzfristig anstehenden Wahlen in NRW der Gefahr einer politischen Parteinahme aussetzt. "Deshalb erscheint es uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass unsere politische Neutralität gegeben ist und in der Vergangenheit anhand der bisherigen Referenten nachgewiesen werden kann", heißt es in der Einladung.

Die Veranstaltung wird im Rahmen der "Lions-Activitys" durchgeführt. Der Lions-Club erbittet deshalb einen Unkostenbeitrag von 10 Euro, wobei der Imbiss und Getränke frei sind. Der Überschuss der Veranstaltung wird dem Verein "Neues Leben e.V." zukommen.

 

(Stadtecho Hennef, KW 17)